Allein sein

Allein sein, ist nicht das Gleiche, wie einsam zu sein. Während jeder von uns gelegentlich Zeit für sich selbst haben sollte, wünsche ich niemandem Einsamkeit. Allein zu sein, kann auch in einer Beziehung, mit Familie oder mit einem großen Freundeskreis oder vielleicht gerade deshalb großartig sein. Heutzutage fürchten sich viele vor dem Alleinsein, füllen jeden Tag bis auf die letzte Minute mit Aktivitäten, Verabredungen, Textnachrichten, nur um nicht mit sich selbst und ihren Gedanken allein zu sein. Alleinsein scheint zu einem gruseligen Zustand geworden zu sein, eventuell weil einige ihn mit Einsamkeit verwechseln oder weil sie glauben, allein zu sein, bedeutet, dass sie nicht beliebt genug, nicht aktiv genug oder einfallsreich genug sind. Dabei hat das mit sich selbst sein rein gar nichts mit Passivität oder Langeweile zu tun. Wer einen stressigen Arbeitstag oder die Versorgung quängelnder Kleinkinder zu bewältigen hat, weiß was ich meine. Ein paar Minuten, vielleicht sogar eine Stunde für sich selbst zu haben, kann Wunder wirken, für den Stresslevel, die Laune und auch für unsere Beziehung. Nur weil wir einmal zehn Minuten die Augen schließen und entspannen wollen oder eine halbe Stunde joggen oder mit einem Kaffee auf der Terrasse sitzen möchten, heißt das nicht, dass wir unseren Herzmenschen weniger lieben, ihn nicht um uns haben wollen oder dass er uns nicht gut tut.

Unsere erste große Liebe müssen immer wir selbst sein, damit wir uns gut fühlen und für andere da sein können. Klingt einfach, ist es aber nicht. Allein zu sein mit unseren Gedanken, kann durchaus schwierig sein, besonders wenn wir uns nicht ablenken, mit dem Smartphone oder dem Fernseher. Und gleichzeitig kann es befreiend sein, durch den Wald zu joggen, die Gedanken fliegen zu lassen, wohin auch immer sie möchten. Einen kurzen Augenblick keine zweite Person zu berücksichtigen, sondern nur uns selbst. Das stärkt uns für das Miteinander mit Freunden, mit der Familie, dem Herzmensch. Das soll nicht heißen, dass diese Personen schlecht für uns sind oder gar Energievampire – sollten sie welche sein, weg mit ihnen aus Eurem Leben – sondern nur, dass jeder einmal seine Gedanken sortieren muss oder sie komplett loslassen. Interaktion fordert Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme, Kommunikation, Zuhören und Verständnis. Mit unserem Seelenverwandten ist das oft kein Problem, wir schwimmen auf eine Wellenlänge, verstehen uns ohne Worte, wollen eigentlich immer zusammen sein. Und dennoch tut der eine oder andere stille Moment gut. Beiden, möchte ich behaupten. Die beste Investition meines Jahres war eine Meditationsapp, nicht günstig für eine App, aber jeden Cent wert. Sie schenkt mir, die ich immer behauptet habe, Meditieren sei nichts für mich und mache mich nur nervös, jeden Tag zehn wertvolle Minuten mit mir selbst, in denen ich alle Gedanken loslasse und durch Raum und Zeit treibe. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass zehn Minuten einen Unterschied machen können, für mein Wohlbefinden, meine Energie, meinen Glücksfaktor, aber sie tun es. Mehr als jede Minuten mit einem guten Buch in der Hand – die sind natürlich auch nicht zu verachten – Joggen oder sogar Yoga, obwohl beides zumindest einen ähnlich entspannenden Effekt hat. Und ich möchte glauben, dass mein neues ein kleines bisschen mehr in sich ruhende Selbst auch meinem Herzmensch gefällt.

Allein sein ist gut und nicht das Gleiche wie einsam zu sein. Allein zu sein, befähigt uns in uns selbst zu ruhen, mit uns zufrieden zu sein, die glücklichste Version unserer selbst zu werden und damit die beste Version, die wir unseren Mitmenschen bieten können. Das klingt möglicherweise esoterisch und ist trotzdem wahr.

 

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