Das, was ich nicht will

„Du bist zu kritisch, zu wählerisch, da hat ja niemand eine Chance.“ Solche oder so ähnliche Kritik hören Singles ständig. Neben gut gemeinten Ratschlägen, wie sie sich selbst verbessern können, um endlich den Mann oder die Frau fürs Leben zu finden, werden sie ununterbrochen darauf hingewiesen, dass sie ihre Erwartungen herunterschrauben müssen, um überhaupt einen kompatiblen Partner zu finden.

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie unsinnig ich beide Aussagen finde. Darüber, dass wir uns selbst nicht anderen zuliebe verändern sollten, habe ich schon häufiger geschrieben und mal ehrlich, je länger man die These dreht und wendet, desto falscher klingt sie doch. Das sollte auch den Ratgebenden bewusst sein, aber das steht auf einem anderen Blatt. Und dann ist da die Sache mit den Erwartungen. Wieso sollten wir diese herunterschrauben, nur um einen Partner zu finden. Heißt das nicht im Umkehrschluss, dass das, was ich mir wünsche, für mich unerreichbar ist, weil ich selbst nicht genug zu bieten habe? Zumindest klingt dieser Ratschlag ein bisschen danach. Oder die Menschen, denen mein Wohlbefinden am Herzen liegen sollte, raten mir dazu, mich mit einem Kompromiss zufrieden zu geben, damit ich nicht allein bin. Besser der Spatz in der Hand … Das würde bedeuten, sie glauben, ich komme allein nicht zurecht oder kann eben den richtigen niemals finden. Vielleicht denken diese Menschen auch gar nicht so genau darüber nach, was sie da eigentlich reden und ich habe jetzt mehr Zeit in ihre Gedanken investiert als sie selbst.

Ich persönlich finde es genauso wichtig zu wissen, was man nicht will, wie zu erkennen, was man will. Manchmal ist es nicht leicht, herauszufinden, was genau wir brauchen und deshalb sind die Ausschlusskriterien umso wichtiger. Über die Jahre und verschiedene Beziehungen bildet sich in der Regel ein Katalog an No-Gos heraus, mit denen wir auf keinen Fall leben können oder wollen. Müssen wir meiner Meinung nach auch nicht. Wozu, wenn sie uns nur unglücklich machen? Und damit wären wir wieder beim Kompromiss. Ist es wirklich besser, mit einem Menschen zusammen zu sein, dessen Macken, Eigenschaften, Charakterzüge für uns unerträglich sind, als allein zu sein? Ich denke nicht.

Bei unseren Wünschen ist das vielleicht anders. Wer sich einen Arzt als Partner wünscht, wird eventuell auch mit einem Architekten glücklich. Wer jedoch keinen Alkohol trinkt und eine generelle Abneigung gegen alkoholische Getränke und ihre Konsumenten hat, wird es nicht lange an der Seite eines Weinliebhabers aushalten. Zu wissen, was wir nicht wollen, kann wichtiger sein, als zu wissen, was wir wollen. Nicht nur für unsere Beziehung, sondern für unser Leben. Während die Erfüllung unserer Wünsche ein Glücksfall, ein zusätzlicher Bonus im Leben ist, machen die Dinge, die wir nicht ausstehen, ertragen, mittragen können, uns unglücklich. So einfach ist das. Und deshalb sollte niemand seine Erwartungen herunterschrauben und faule Kompromisse eingehen, um einen Partner zu finden. Denn nur weil er gerade nicht neben uns steht, bedeutet das nicht, dass es ihn nicht gibt.

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