Freundinnen

Gewöhnlich schreibe ich hier über Liebe, selten über Freundschaft, manchmal unterscheidet die beiden jedoch nur wenig. Wir sind hoffentlich alle auch mit unserem Herzmensch befreundet, aber das meine ich nicht, ich meine platonische Freundschaft. Die beste Freundin, die uns vielleicht schon seit dem Sandkasten begleitet, mit der wir durch dick und dünn, Herzschmerz, Glück und Liebeskummer gelacht, gehofft und geweint haben, die uns so nahe steht, dass sie uns verletzen kann wie sonst nur unser Herzmensch. Solche überdauern Beziehungen, Jobwechsel, Umzüge. Solche Freundschaften können scheitern, sie können zerbrechen an nicht gesagten Worten oder dem einen Wort zu viel, einem Fehler, den wir unabsichtlich machen oder einer Unachtsamkeit, die plötzlich schwer wiegt. Manchmal verlaufen Freundschaften, die lange gut waren, plötzlich im Sande. Wir leben uns auseinander, gehen unterschiedliche Wege, gelegentlich werden sie uns entrissen, weil wir eben einen Fehler gemacht haben oder nicht mehr zusammenpassen. Dann müssen wir uns trennen, fast so wie bei einer Beziehung. Sagen: „Es passt nicht mehr. Lass uns aufgeben.“ Oder vielleicht wagen wir einen Neustart. An einem anderen Punkt in unserem Leben oder von einem neuen Ansatz aus. Eventuell nicht mehr als beste Freunde, aber als gute Freunde, die sich in die Augen schauen können, wenn sie sich treffen, die sich freuen, sich nach Wochen oder Monaten wiederzusehen und manchmal sogar noch die eine oder andere Erinnerung wach werden lassen.

Müssen wir uns trennen, weil wir einander nicht mehr gut tun, ist das schmerzhaft und unendlich traurig. Einen Menschen loszulassen, der lange ein wichtiger Teil unseres Lebens war, oft schon länger als der Herzmensch, ist schwer, besonders wenn wir es sind, die plötzlich nicht mehr in das Leben des anderen passen, wenn wir dachten, wir seien beste Freundinnen auf ewig und nicht nur für den Moment. Doch so spielt das Leben, heißt es, und Zeit heilt alle Wunden. Das hoffe ich zumindest und weiß es nicht bestimmt. Eins weiß ich jedoch, wenn jemand verschwindet, ohne ein Wort, das ist hart. Vielleicht wäre es leichter zu hören: „Ich will Dich nicht mehr hier an meiner Seite als Freundin, zum Lachen bis und die Tränen kommen, zum Weinen, Kaffeetrinken, Wohnung streichen, Nudeln kochen.“ Aber auch das weiß ich nicht und werde es wahrscheinlich niemals erfahren.

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