Liebe ist, so wie du bist

Derzeit wird allerorts über Körperwahrnehmung diskutiert, darüber, dass wir uns annehmen sollen, wie wir sind, darüber, dass wir uns nicht von den sozialen Medien, die in dieser Hinsicht alles anderes als sozial sind, beeinflussen lassen sollen. Ich glaube, das ist gut und wichtig. Denn Frauenzeitschriften und die vielen Ratschläge außerhalb der Magazine wollen uns eigentlich gar nichts Gutes, sondern predigen nur immer und immer wieder, was wir alles tun müssen, um attraktiv zu sein, dem perfekte Körperbild zu entsprechen, endlich, je endlich den Mann fürs Leben zu finden und dann auch noch zu halten. Der Druck ist groß und wird nicht weniger, wenn wir endlich unseren Herzmenschen gefunden haben. Den müssen wir ja schließlich halten und deshalb hören die Ratschläge nicht auf. Nein, wir bekommen erklärt, wie wir uns fit halten, auch mit steigendem Alter attraktiv bleiben, was wir alles vor unserem Partner verstecken müssen, damit die magische Seifenblase nicht zerplatzt. Und schon während wir darüber sprechen, bekommen die meisten von uns das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, mit diesen Aussagen. Sollte Liebe nicht selbstlos sein? Lernen wir das nicht von Beginn an? Warum also müssen wir so viele Regeln befolgen, Tricks anwenden und Selbstkasteiungen auf uns nehmen, um sie zu finden und zu halten?

Liebe sucht nicht
Liebe fragt nicht
Liebe fühlt sich
An wie du bist

Liebe sucht nicht
Liebe fragt nicht
Liebe ist
So wie du bist

singt Nena. Sollte es nicht so sein? Ja, oder? Natürlich hat verlieben auch etwas mit Attraktivität zu tun. Meist sehen wir einen Menschen, bevor wir mit ihm sprechen, bevor wir ihn richtig kennenlernen, aber Liebe kann nicht auf Äußerlichkeiten beruhen. Die große Liebe, die mit etwas Glück für immer bleibt, sollte auch ohne Diät und Fitnessprogramm funktionieren. In dünnen wie in dicken Zeiten sozusagen. Denn eine Beziehung, die zehn Kilo mehr auf den Rippen nicht verkraftet, wird sicher auch Falten, Schwangerschaftsstreifen, nachlassende Muskeln und Krankheiten, ja das Alter an sich nicht wegstecken können. Frauenzeitschriften, die für Frauen sein sollten, nicht gegen sie und das Leben, werden von Frauen gemacht. Diese Frauen und eigentlich wir alle, sollten vielleicht einmal in sich selbst nachhören, ob ihnen privat, als Frau mitten im Leben, der Ansatz, dass sie nur jung und schön liebenswert sind, wirklich gefällt und vor allen Dingen gut tut. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts dagegen, in Würde zu altern. Ich finde es richtig, mich fit zu halten, damit ich gesund bleibe und mich auch im Alter noch ohne Schmerzen bewegen kann. Aber ich weigere mich, zu glauben, dass Liebe und Beziehung, ja sogar Glück an sich, abhängig von diesen Äußerlichkeiten sind – von der Anzeige auf der Waage oder davon, wie viele Kilos ich auf der Beinpresse stemme. Das ist keine Liebe, zumindest hoffe ich das. Ich möchte daran glauben, dass Liebe mich nimmt, wie ich bin – dass Liebe ist, so wie ich bin.

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