Mit Dir bis ans Ende der Welt

Kennt Ihr das Gefühl, dass ihr mit einer Person, alles machen würdet, sogar bis ans Ende der Welt reisen oder zum Mittelpunkt der Erde? Nicht für einen Urlaub, das wäre zu leicht, sondern weil die Umstände es fordern, der neue Job, die Gesundheit, das Leben oder sogar das Universum.

Menschen, die sich auf den ersten Blick verliebt haben, wissen was ich meine. Dieses Vertrauen, dass alles gut wird, wenn man zusammenbleibt, die Herausforderung, das Problem, das Leben gemeinsam angeht. Es mag verrückt sein, mit einem Menschen, den man gerade einmal ein paar Wochen kennt, wegen eines neuen Jobs die Stadt verlassen zu wollen oder sogar das Land. Aber wäre es nicht noch viel verrückter, die Liebe des Lebens einfach ziehen zu lassen? Wertvolle Zeit in einer Fernbeziehung verstreichen zu lassen, um einen Test zu bestehen, von dem niemand weiß, wie lange er dauert. Nur weil viele oder sogar die meisten der Meinung sind, dass es falsch, möglicherweise sogar dumm ist, das eigene Leben mit einem Wimpernschlag nach dem Leben eines anderen Menschen zu richten, haben sie nicht recht. Die Menge derer, die eine Meinung vertreten, sagt nichts über die Richtigkeit ihrer Meinung aus. Und was gut und richtig für uns ist, können sie höchstens erahnen, aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen, die unter Umständen nichts mit den unseren gemeinsam haben. Wahrscheinlich haben sie dieses Vertrauen, das uns sagt, dieser eine Mensch ist unser Seelenverwandter, nie gespürt. Vielleicht waren sie verliebt, haben sogar aufrichtig geliebt, haben aber immer einen Teil von sich zurückbehalten. Niemals die letzte Mauer eingerissen zwischen sich und ihrem Herzmenschen. Das mag daran liegen, dass sie Schlechtes erfahren haben oder auch daran, dass sie insgeheim gespürt haben, dass ihr Gegenüber eben nicht zu hundert Prozent richtig für sie ist. Sie wissen, dass sie nicht hinter den Horizont mit ihm reisen würden, niemals springen könnten, im sicheren Wissen, dass er sie auffängt. Deshalb glauben sie, es geht allen anderen oder zumindest allen, die nicht in einem Liebensroman leben, genauso. Sie raten zur Vorsicht, zum Warten, zum Abstand halten, zum Sichern des eigenen Herzens an allen Fronten. Manchmal haben sie recht, aber eben nicht immer.

Und wenn der Seelenverwandte vor uns steht, können wir nicht warten, nicht auf Fallschirme, Sicherungsseile, Rettungstrupps, wir können nur die Hand des einen Menschen ergreifen und springen in das gemeinsame Leben, auf das Boot, das uns vielleicht ans andere Ende der Welt schippert oder auch nach Hawaii in ein neues Abenteuer und gelegentlich unstete Gewässer. Denn auch das Leben mit dem Seelenverwandten bedeutet nicht immer nur eitel Sonnenschein, Happy-go-lucky und rundum glücklich und sorglos, dafür sorgen das Universum, die Politik und die nervigen Mitmenschen. Was eigentlich zählt, ist, dass wir uns sicher sind, dass wir, wenn es schlecht läuft oder sogar noch ein wenig schlechter, den Griff nicht lockern, mit dem wir diesen Menschen festhalten, an unserer Seite, in unserem Herzen, in unserer Seele.

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