Niemals allein

Eifelturm, Turteltauben, Verlieben, Frühling

Als ich darüber nachgedacht habe, warum Menschen ihre Interessen, ja sogar ihr ganzen Leben nach ihrem Partner ausrichten, kamen mir zunächst diejenigen in den Sinn, die glauben, selbst nicht interessant oder liebenswert genug zu sein. Aber da sind auch andere Fälle, Menschen, Männer und Frauen gleichermaßen, die nicht allein sein können oder wollen. Die meisten kennen wahrscheinlich so eine Person aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Gerade getrennt und schon stellen sie uns den neuen Partner vor. Meist ist es genau der richtige, der für immer Mann. Solange bis die Beziehung scheitert und gefühlt um die Ecke schon der nächste Mr. Right wartet. Natürlich haben wir nie die Garantie, dass eine Beziehung auf ewig hält, Partnerschaften scheitern und niemand ist verpflichtet, eine gewisse Zeit Single zu sein, eine Trauerphase einzuhalten oder Ähnliches. Jeder ist seines Glückes Schmied und kann so viele oder wenige Partner haben, wie er möchte. Schwierig wird es nur, wenn die Suche verzweifelt wird. Wenn sofort nach der Trennung, noch ehe die letzten Tränen versiegt sind, das Tinderprofil reaktiviert wird und Bekannte nach Dateempfehlungen ausgehorcht werden. Wenn die Beziehung Mittel zum Zweck, zum einzigen Weg zum Glück wird. Lässt sich der neue Herzmensch nicht finden, wird passend gemacht, was nicht passt. Über Makel, die vorher noch untragbar schienen, wird hinweggeschaut, Distanz, die unüberwindbar schien, lässt sich plötzlich vermeintlich leicht überbrücken. Und wenn alle Stricke reißen, dann wird eben der eigenen Geschmack, die eigenen Interessen, ja sogar die Lebensplanung gedreht und gewendet, bis zusammenpasst, was eigentlich nicht zusammengehört.

Das ist nicht immer der Fall, aber häufiger als Ihr jetzt vielleicht glaubt. Die Angst vorm Alleinsein, vor dem Singlesein zwischen all den Paaren ist stark, so stark, dass alle anderen Argumente im Hintergrund verschwinden. Und dann ist da ja noch der Spruch vom Spatz in der Hand, der besser ist als die Taube auf dem Dach. Und im Grunde kann niemand mit Bestimmtheit sagen, dass die Taube überhaupt jemals vorbei geflogen kommt. Warum also warten?

Ich wüsste einen Grund oder sogar mehrere. Es lohnt sich zu warten, um herauszufinden, wer wir wirklich sind, was wir vom Leben erwarten und was wir auf gar keinen Fall wollen. Nicht vielleicht, wenn er gut aussieht oder vermeintlich sonst alles passt. Nein, es gibt Kompromisse, die sollten wir nicht eingehen und das erkennen wir nur, wenn wir allein sind und in Ruhe nachdenken. Und mal ehrlich, so furchtbar ist Alleinsein nicht und viel besser als mit der falschen Person wertvolle Zeit zu verschwenden allemal, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.