Unverliebt glücklich

Hast Du schon einen Freund?

Diese Frage stellen Erwachsene nicht nur Teenagern, nein, sie stellen sie, sobald die erste Kindergartenwoche vorbei ist. Ich möchte gar nicht davon anfangen, auf wie viele Arten das falsch ist, aber ein Aspekt davon passt zum gängigen Umgang mit Singles. Klar, Vierjährige sind naturgemäß Singles und haben nie einen Freund, sondern nur Freunde, aber die Fragerei nach besagtem Freund und danach, ob das Mädchen schon verliebt ist, suggeriert ihr noch bevor es weiß, wovon genau die Rede ist, dass dieser Freund wichtig ist. So wichtig, dass nach ihm gefragt wird, bevor man sich nach dem Wohlbefinden der Kleinen erkundigt.

Selbstverständlich hört das Erkundigen nach einer Beziehung niemals auf und erst recht nicht, wenn frau in das passende Alter kommt. Dann allerdings erreicht die Neugier eine neue Dimension: Sie wir um Ratschläge ergänzt.

Wenn du nicht andauernd nur Jeans und Turnschuhe tragen würdest, hättest du sicher längst einen Freund. Männern gefallen Frauen, die Röcke und Kleider tragen.

Oder:

Sei doch nicht immer so stur. Das ist nicht attraktiv. So findest du nie einen Freund.

Wer mich kennt, weiß, ich lasse das Argument, das vielen jetzt sicher auf der Zunge liegt ‚Die Menschen meinen es doch nur gut’ nicht gelten. Sie meinen es nicht gut, sie wollen, dass ihr Gegenüber sich einpasst, in das gängige Klischee, in das, was sie für richtig und erstrebenswert halten. Und gleichzeitig suggerieren sie, das frau ohne Mann irgendwie falsch und weniger wert ist. Sie muss ihren Stil ändern, gefälliger sein, damit sie anziehender wirkt. Auch das ist auf so viele Arten uns Weisen verkehrt, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Sich ändern, um einem Mann zu gefallen. Ehrlich? Kleider und Röcke tragen, um femininer zu wirken. Leben wir in Stepford? Und dann ist da noch die unterschwellige oder vielleicht gar nicht so versteckte Meinung, dass Singlefrauen auf der verzweifelten Suche nach einem Mann sind, denn schließlich ist ihr Leben nur so perfekt, oder? Und wenn sie erst gar nicht suchen, ticken sie irgendwie anders und auch nicht so ganz richtig. Auf die Idee, dass diese Frauen unverliebt glücklich sind, kommt niemand. Warum? Sind sie weniger wert, wenn sie allein sind? Oder gefällt den anderen nur nicht, dass sich nicht jeder einpassen möchte, in das gewohnte Rollenbild? Nur weil frau nicht verheiratet ist, ist sie nicht gleichzeitig unglücklich, verzweifelt, einsam. Sie kann um die Welt reisen oder Karriere machen, sogar Kinder bekommen kann sie, wenn sie das will. Sie kann sich amüsieren, jeden Abend einen neuen Mann kennenlernen, den sie am nächsten Morgen bereits wieder vergessen hat oder gar keinen, ganz wie sie möchte. Sie kann zufrieden sein, himmelhochjauchzend oder einfach nur froh, auch ohne festen Partner. Wieso sollten diese Frauen sich über vermeintlich gut gemeinte Ratschläge, wie sie am besten einen Ehemann finden, freuen? Vielleicht sind es die Ratgeber, die sich ändern sollten, andere anders sein lassen und nicht ihren persönlichen Weg als den einzig wahren predigen. Wäre es nicht schön, kleine Mädchen zu starken Frauen zu erziehen, die ihren Wert nicht daran messen, ob sie es geschafft haben, den passenden Mann zum vorausgesetzten Lebenskonzept an sich zu binden? Und in einige Jahren, wenn diese Mädchen erwachsen sind, unterstützen sie hoffentlich andere Frauen in ihren Lebensentscheidungen, statt sie zu kritisieren und sie mit aller Macht auf den vermeintlich richtigen Weg zu zerren. Nennt mich eine Träumerin oder naiv, aber mir gefällt diese Vorstellung, weil ich denke, es ist an der Zeit, dass wir gemeinsam stark sind, statt gegeneinander zu kämpfen.

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