Verliebt, VERLOBT, verheiratet

Den Satz „Wir planen eine lange Verlobung“ lesen wir gelegentlich in Liebesromanen, aber hören ihn nur noch selten. Verlobungen sind ein bisschen unmodern geworden und haben auch ihren ursprünglichen Sinn verloren. Gesetzlich sind sie ohnehin nicht mehr bindend, aber wer will auch schon die Ehe mit jemandem einklagen, der unwillig ist, zu heiraten?

Eigentlich sind wir von dem Moment an verlobt, in dem wir beschließen, zu heiraten, ob wir es nun Verlobung nennen oder nicht. Verlobungsfeiern gibt es kaum noch und Anzeigen per Karte noch seltener. Aber es gibt lange Verlobungen – und die finde ich ein bisschen eigenartig. Gewöhnlich oder besser gesagt früher, als der Vorgang noch den Sinn hatte, dass die sich meist so gut wie fremden Brautleute einander näher kennenlernen, fand die Hochzeit innerhalb eines Jahres nach der Verlobung statt. Eine geplante, lange Verlobung, wie im Liebesroman, hatte meist die Absicht, in der Wartezeit einen Ausweg aus der Situation und somit aus der bevorstehenden Ehe zu finden. Klingt nicht sehr romantisch, oder? Und genau deshalb frage ich mich, wozu das Ganze? Warum nicht einfach heiraten? Wozu warten? Womöglich zwei, drei oder noch mehr Jahre. Klar, es könnte sein, dass die zukünftigen Brautleute, sich gerade eine Hochzeit nicht leisten können und auf den großen Tag hinsparen. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Oder es könnte sein, dass sie eine Fernbeziehung führen und erst heiraten wollen, wenn sie gemeinsam an einem Ort wohnen. Vielleicht hat das Warten steuerliche Gründe oder einer von beiden harrt darauf, dass seine Scheidung rechtskräftig wird. Das alles sind logisch Argumente, mit dem Heiraten zu warten, aber wozu die Verlobung? Um anderen deutlich zu machen: Wir gehören zusammen. Wir haben die Absicht zu heiraten. Sollte nicht vollkommen unwichtig sein, was andere über uns oder unsere Beziehung denken? Oder: Um sich als Paar gegenseitig das Versprechen zu geben? Diesen Aspekt finde ich sogar noch ein wenig eigenartiger. Denn ein solches Versprechen hält heute wohl niemanden mehr davon ab, eine Beziehung zu beenden. Das tut selbst die Ehe längst nicht mehr. Und nennt mich übermäßig romantisch oder auch naiv, aber sollte das Paar nicht wissen, dass es sich liebt, dass es ohne wenn und aber miteinander verwoben und unauflöslich gebunden ist? Ich denke schon. Und wenn das nicht so ist, bringt eine Verlobung, die nicht zwingend mit dem Start der Hochzeitplanung einhergeht, die nötige Sicherheit? Oder löst sie genau das Gegenteil aus? Denn wären beide sich absolut sicher, könnten sie heiraten, statt die lange Verlobungszeit als Umweg zu nehmen, oder?

Bei mir hat dieser Zustand den fahlen Beigeschmack von Zweifeln. Eine Dauerverlobung ist nur der halbe Weg zur Ehe, als würde der Mut für den letzten Schritt fehlen oder eben die letzte Überzeugung, vielleicht begründet, in der Angst, einen Fehler zu machen oder in dem Wissen, dass diese eine Person nicht der Selenverwandte ist. Warum sonst die Wartezeit, statt einfach allen Mut zusammenzunehmen und zu springen in ein Leben an der Seite des Herzmenschen?

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