Vernünftig entliebt

Conscious uncoupeling heißt, bewusstes entkuppeln oder entpaaren, aber das macht im Deutschen nur Sinn, wenn man die englische Formulierung, die Gwyneth Paltrow zu ihrer Trennung in die Welt geworfen hat, kennt. Auch wenn die Wortwahl eigenartig klingt, scheint das Konzept auf den ersten Blick vernünftig. Eltern trennen sich, bleiben aber in platonischer Liebe verbunden und kümmern sich gemeinsam um ihre Kinder. Für die Kinder ist das sicher toll. Kein parentales Entfremdungssyndrom, keine versteckte Schuld, liebende Eltern. Klingt super, funktioniert aber sicher nur, wenn die Liebe nicht lichterloh gebrannt hat, sondern von Beginn an ein warmes Glühen war, das sich hervorragend in freundschaftliche Zuneigung verwandeln lässt, wenn intellektuelle Freundschaft schon immer mehr Grundlage war als Leidenschaft. Hat die Liebe aber gebrannt, alles verzehrt, Berge versetzt und zwei lose Teile unauflöslich zu einem Ganzen verschmolzen, hat conscious uncoupeling keine Chance. Wenn einer von beiden aufbricht, was das für immer hätte bleiben sollen, sein Versprechen zurücknimmt, egal aus welchen Gründen, ist das Letzte, was die meisten in dieser Situation tun wollen, gemeinsam in den Urlaub fahren, auch wenn es den Kindern gefallen würde, oder sich auf einen Kaffee treffen, um über das Leben und womöglich die neuen Partner zu philosophieren. Nennt mich altmodisch, aber ich will das nicht. Klar, wenn ich die Freundschaft von Anfang an stärker war als die Liebe, warum nicht zur Freundschaft zurückkehren? Aber wenn ich leidenschaftlich geliebt habe, dann will ich nicht über den Rand einer Kaffeetasse über Banalitäten reden, dann will ich keine Nachrichten verschicken, um ihm einen schönen Urlaub zu wünschen, egal mit wem er fährt. Nicht weil ich unhöflich bin oder verbittert, sondern weil diese Banalitäten etwas, das einmal groß gewesen ist, klein machen. Wenn ich trennen muss oder will, was für immer bestimmt war, dann will ich zumindest die Großartigkeit in meiner Erinnerung bewahren, das gute Gefühl, die Leidenschaft, die Einzigartigkeit.

Und wenn ich gegen meinen Willen getrennt werde? Das ist eine ganz andere Sache: Dann will ich nicht dazu dienen, das schlechte Gewissen über das gebrochene Versprechen zu mildern. Ich will mich nicht vernünftig trennen, ich will wütend sein und traurig und ich will auf gar keinen Fall witzige Videos geschickt bekommen, Einladungen zu Partys oder eben Kaffeedates. Ich will schreien und heulen und hassen, genauso intensiv wie ich geliebt habe. Dazu brauche ich keine Zuschauer und keine mitleidigen Blicke. Dazu brauche ich vor allen Dingen keinen Ex-Herzmenschen, der sich besser fühlt, wenn er mir bei der Trennung hilft, sich bewusst entkuppelt oder wie auch immer ihr es nennen wollt. Wird eine lichterlohe brennende Flamme erstickt, hinterlässt sie eine Leere, die sich nicht mit sanftem Glühen füllen lässt, davon bin ich überzeugt. Vielleicht eines Tages, wenn das Feuer wieder brennt, entzündet von jemand anderem, der sein Versprechen nicht zurücknimmt, vielleicht ist dann der Blick über den Tassenrand zu gepflegtem Plausch denkbar, aber ob Lust darauf habe, weiß ich nicht.

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