Erlaubt ist, was gefällt

Kennt Ihr das? Ihr seid total begeistert, nahezu euphorisch, weil ihr die perfekte Jeans gefunden habt. Natürlich führt Ihr das Klamottenwunder sofort Eurem Liebsten vor. Statt sich mit Euch zu freuen, rümpft der allerdings nur die Nase und kommentiert irgendwie in der Art von: „Die schickst Du aber zurück, oder?“ Ernüchternd, stimmt’s? Die eigentliche Frage ist aber: Was macht Ihr? Behaltet Ihr die Hose, weil sie einfach perfekt ist oder schickt Ihr sie zurück, weil Euer Liebster sie nicht mag? Psychologische Ratgeber haben eine klare Meinung. Sie raten uns dazu, zu tragen, was wir mögen und uns nicht von der Meinung anderer beeinflussen zu lassen. Schon gar nicht sollten wir unseren kompletten Stil nach anderen richten. Klingt logisch, vernünftig sogar, immerhin wollen wir uns in unserer Haut wohlfühlen. Aber es gibt eine Crux. Es liegt in unserer Natur, gefallen zu wollen. Wer möchte nicht, dass der Herzmensch mag, was er sieht? Und stellt euch die ganze Situation einmal anders herum vor? Wenn er eine Hose tragen will, die absolut hässlich ist. Vielleicht seid Ihr diplomatischer und lehnt die Jeans nicht sofort komplett ab, sondern mit ähnlichen Worten wie: „Mir gefällt die Hose nicht, aber wenn sie Dir gefällt …“ Das Problem bleibt das gleiche. Die Balance zwischen dem eigenen Wohlgefühl, dem eigenen Geschmack und dem Gefallenwollen zu finden.

Einige unter Euch werden die Meinung vertreten: „Ich trage, was mir gefällt und was andere sagen, interessiert mich nicht. Wenn sie nicht mögen, wie ich aussehe, ist das ihr Problem, nicht meins.“ Psychologen wären stolz auf Euch. Nur leider ist diese Einstellung eine Frage des Selbstbewusstseins. Wer sich gegen die Ansichten anderer stellt, muss sich seiner selbst sicher sein. Das gilt nicht nur für die Garderobe. Alle, die weniger selbstbewusst sind, setzen auf das Feedback von anderen. Daran ist grundsätzlich nichts falsch, wie ich finde. Schwierig wird es erst, wenn andere, in den meisten Fällen wohl die Familie und der Herzmensch, allein ausschlaggebend für Entscheidungen werden, wenn das Gefallenwollen hinter dem Wohlfühlen zurücksteht. Viele werden jetzt sagen: „Das würde mir nie passieren. Das mache ich nicht.“ Wirklich? Ist da nicht vielleicht doch die eine oder andere Entscheidung, der eine oder andere Pullover, ein Kleid oder ein Rock, Sache, die ihr nur Eurem Herzmenschen zuliebe tragt? Auch daran ist nicht verkehrt, solange ihr eben die Balance haltet. Ich gestehe, ich habe so ein Kleid, das ich gekauft habe, weil es ein Designerschnäppchen war – übrigens auch so ein Thema – und das ich nie wirklich mochte. Mein Liebster findet das Kleid großartig, obwohl es eigentlich gar nicht mein Stil ist – was uns zurück zum übereilten Kaufen von Designerschnäppchen bringt. Normalerweise hätte ich dieses Kleid längst aussortiert, stattdessen trage ich es gelegentlich, weil mein Herzmensch es halt mag. Für mich ist das okay und wirklich die einzige Ausnahme. Sonst trage ich, was mir gefällt, selbst wenn andere die Klamotte nicht mögen, in der Hoffnung, dass ich mit meinem Geschmack nicht total daneben liege. Letztendlich muss ich mir beim Blick in den Spiegel gefallen. Und wenn ich mich gut fühle, strahle ich das auch aus. Was wiederum viel wichtiger ist, als die Farbe meines Pullovers oder der Sitz meiner Jeans.

Ich finde, wir sollten ruhig ein bisschen mehr darauf vertrauen, dass wir selbst am besten wissen, was uns gut tut, was uns steht und womit wir uns wohlfühlen. Unsere Liebsten profitieren dann ganz automatisch davon, egal ob ihnen unser Outfit gefällt oder nicht, denn Glück ist der schönste Schmuck und glückliche Menschen die beste Gesellschaft. Das klingt kitschig, ein bisschen nach Grußkartenromantik, ist aber trotzdem wahr.

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